Im Linksextremismus beobachtet der Verfassungsschutz Personenzusammenschlüsse und unter bestimmten Voraussetzungen Einzelpersonen, die auf der Basis einer linksextremistischen Ideologie Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verfolgen.
Typischerweise handelt es sich hierbei um Gruppierungen, die das bestehende demokratische System durch eine kommunistische oder anarchistische Gesellschaftsordnung ersetzen wollen. Während der Anarchismus den Wert der individuellen Freiheit über alles stellt und auf dieser Grundlage jegliche staatlichen Strukturen ablehnt, strebt der Kommunismus eine Ausweitung des Gleichheitsprinzips auf sämtliche gesellschaftliche Lebensbereiche an. Zu diesem Zweck soll das bestehende politische System auf revolutionärem Wege zerschlagen und von einer „Diktatur des Proletariats“ abgelöst werden.
Innerhalb des gewaltorientierten linksextremistischen Spektrums differenziert der Verfassungsschutz zwischen zwei Strömungen, die sich sowohl ideologisch als auch hinsichtlich ihrer Organisationsweise und Strategien unterscheiden: sogenannte (post-)autonome Gruppen einerseits und kommunistische Jugend- und Kadergruppen (KJKG) andererseits.
(Post-)autonome Gruppen
Die autonome Szene ist von einer weitreichenden Theoriefeindlichkeit und Anti-Haltung geprägt. Autonome Gruppen stehen einem dogmatischen Kommunismus und autoritären Organisationsformen, wie sie vom KJKG-Spektrum favorisiert werden, ablehnend gegenüber. Stattdessen verbinden autonome Gruppen anarchistische und (post-)marxistische Ideologiefragmente zu einer „Politik der ersten Person“, d. h. diese Gruppen stellen subjektives Empfinden und die bedingungslose Freiheit des Individuums in den Mittelpunkt des politischen Handelns. Gruppen des „klassischen“ autonomen Spektrums agieren strikt antihierarchisch und lehnen komplexere, den Zusammenschluss auf lokaler Ebene übersteigende Organisationsformen ab. Sogenannte postautonome Gruppen streben hingegen überregionale Netzwerke und Bündnisse mit Akteuren außerhalb des (post-)autonomen Spektrums an, um die gesellschaftliche Isolation autonomer Gruppen zu überwinden.
Das (post-)autonome Spektrum der gewaltorientierten linksextremistischen Szene ist traditionell proisraelisch eingestellt. Autonome Gruppen wie das „Offene Antifaplenum“ (OAP) in Halle (Saale) und die „Antifaschistische Aktion Salzwedel“ (AAS) erklären die Solidarität mit Israel zu einem wesentlichen Bestandteil eines konsequenten „Antifaschismus“.
Kommunistische Jugend- und Kadergruppen (KJKG)
Gruppen des KJKG-Spektrums folgen einer klar definierten marxistisch-leninistischen Ideologie und einer revolutionären Strategie. In Sachsen-Anhalt aktive Personenzusammenschlüsse des KJKG-Spektrums sind u. a. die in Magdeburg ansässige Gruppe „Zusammen kämpfen“ (ZK), die Gruppe „Roter Aufbau Burg“ (RAB), das „Solidaritätsnetzwerk Halle (Saale)“ („Solinetz“) sowie die „Internationale Jugend Halle“. Bei den zwei zuletzt genannten Gruppen handelt es sich um Vorfeldorganisationen der bundesweit agierenden Gruppierung „Kommunistischer Aufbau“ (KA), einer autoritären Kaderorganisation, welche die Gründung einer neuen kommunistischen Partei anstrebt.
Neben der Orientierung an einem dogmatischen Kommunismus eint alle Kadergruppen eine „antiimperialistische“ Weltsicht. Aus antiimperialistischer Sicht tendiert der westliche Kapitalismus dazu, durch „imperialistische“ Politik neue Märkte auch gewaltsam zu erschließen, um die eigenen Profite zu maximieren. Eine kapitalistische Gesellschaftsordnung führe demnach zwangsläufig zu Ausbeutung und Unterdrückung sowie zu Kriegen zwischen Staaten um Ressourcen und Marktanteile. Neben den USA betrachten antiimperialistische Gruppierungen vor allem den Staat Israel als eine imperialistische Macht, die das palästinensische Volk bzw. die arabischen Völker insgesamt gewaltsam unterdrücke. Einige Gruppen des antiimperialistischen Spektrums beschränken sich dabei nicht auf eine Kritik einzelner Entscheidungen der israelischen Regierung. Vielmehr dämonisieren sie den Staat Israel, indem sie z. B. die militärische Intervention Israels im Gazastreifen in Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 mit dem Holocaust gleichsetzen. Der in dieser antiimperialistischen Israelkritik erkennbare Antizionismus gipfelt häufig in einer grundsätzlichen Infragestellung des Existenzrechts des Staates Israel. Einige antiimperialistische Gruppen greifen dabei auf antisemitische Diskursmuster zurück.
