Teil 4: Was macht der Verfassungsschutz?
Beobachtung rechtsextremistischer Jugendgruppen
23.01.2026, Magdeburg – 006/2026
- Ministerium für Inneres und Sport
Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beobachtet eine steigende Zahl von Anhängern gewaltbereiter rechtsextremistischer Jugendgruppen im Land. Deshalb befasst er sich intensiv mit den zu diesen Gruppen gehörenden Personen und bewertet ihr Gewaltpotenzial. Dabei geht es insbesondere um deren Mobilisierungs- und Rekrutierungsstrategien sowie die Verbindungen der beobachteten Gruppen zu anderen Akteuren der rechtsextremistischen Szene. Neben den bundesweit organisierten Gruppierungen „Jung & Stark“ (JS), „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) und „Der Störtrupp“ (DST) ist u. a. die Gruppierung „Deutsche Jugend Zuerst“ (DJZ) in Sachsen-Anhalt aktiv. Im parteigebundenen Rechtsextremismus sind insbesondere die „Jungen Nationalisten“ (JN) – die Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) – zuletzt verstärkt in Erscheinung getreten.
Innenministerin Dr. Tamara Zieschang: „Die aktuelle Entwicklung im neonazistischen Milieu weckt dunkle Erinnerungen an die 90er und frühen 2000er Jahre. Damals wie heute zieht die rechtsextremistische Szene zahlreiche, vorwiegend männliche, junge Menschen an. Auffallend viele Mitglieder rechtsextremistischer Jugendgruppen orientieren sich am Auftreten der Skinheadszene, wie sie für den Neonazismus der 90er Jahre prägend war: kahlrasierte Schädel, Bomberjacken, Springerstiefel. Die Feindbilder und die extreme Gewaltbereitschaft sind gleich geblieben. Auch aus diesem Grund ist die Befassung mit den Anhängern dieser gewaltbereiten rechtsextremistischen Jugendgruppen, ihren Strategien und Vorgehensweisen aktuell ein Schwerpunkt der Arbeit des Verfassungsschutzes.“
Der Leiter des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt, Jochen Hollmann, verweist im Zusammenhang mit der dynamischen Entwicklung der rechtsextremistischen Szene auf das bestehende Präventionsangebot des Verfassungsschutzes: „Rechtsextremismus bildet seit Jahren den Schwerpunkt unserer Präventionsarbeit. Unser Präventions- und Beratungsangebot stellen wir allen Interessierten gerne zur Verfügung. Ich lade alle Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Land dazu ein, sich auf unserer Internetpräsenz und in unseren Publikationen über dieses Angebot zu informieren.“
Aktionsorientierte rechtsextremistische Jugendgruppen wie „Jung & Stark“ und „Deutsche Jugend Voran“ rechnet der Verfassungsschutz dem weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Personenpotenzial zu. Ihre Mitglieder sind informell organisiert und vorwiegend virtuell miteinander vernetzt. Auf ihren Social-Media-Kanälen veröffentlichen diese Gruppen Gewaltaufrufe. Einige von ihnen haben bereits politisch motivierte Gewalttaten verübt. So waren mehrere Mitglieder der Gruppierung „Deutsche Jugend Zuerst“ Halle (Saale) am 14. Dezember 2024 in Berlin an einem gewalttätigen Angriff auf mehrere SPD-Mitglieder beteiligt, die zuvor einen Infostand der Partei betreut hatten.
Vier Personen wurden hierfür vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt. Am 20. Dezember 2025 stürmten mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung eine Bar in Halle (Saale) und zerschlugen dort mit Baseballschlägern das Inventar. Danach verfolgte die Gruppe einen aus dem Ausland stammenden Servicemitarbeiter der Bar durch die Innenstadt und verletzten diesen mit Schlägen und Tritten bis dieser das Bewusstsein verlor. Einer der Tatverdächtigen war bereits an dem Angriff in Berlin beteiligt.
Die Mitglieder rechtsextremistischer Jugendgruppen definieren sich über gemeinsame Feindbilder, zu denen neben Migranten und Anhängern des politisch linken Spektrums vor allem die LGBTQ+-Community zählt. Daneben existieren auch rechtsextremistische Jugendgruppen, die sich teils selbst als „Pedo Hunters“ bezeichnen und deren Aktionen sich gegen von ihnen als (vermeintliche oder tatsächliche) „Pädophile“ identifizierte Personen richten.
In Sachsen-Anhalt ist diese Art von rechtsextremistischen Jugendgruppen bislang überwiegend mit Aktionen gegen Veranstaltungen im Rahmen des Christopher Street Day öffentlich in Erscheinung getreten. Der Verfassungsschutz beziffert das Personenpotenzial in Sachsen-Anhalt aktuell auf knapp 300 Personen.
Ausführliche Informationen zur Beobachtung der rechtsextremistischen Szene durch den Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt sowie zur Präventionsarbeit der Verfassungsschutzbehörde finden Sie unter: mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz.
Das Ministerium für Inneres und Sport informiert in der Reihe „Was macht der Verfassungsschutz?“ über die Arbeit des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt. Teil 1 berichtete über Aufgaben und Zwecke nachrichtendienstlicher Arbeit. Teil 2 beinhaltete einen Überblick über Desinformation und hybride Bedrohungen. Teil 3 informierte über die Beobachtung des Islamismus in Sachsen-Anhalt. Alle Informationen dazu finden Sie unter: mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/informationsreihe-was-macht-der-verfassungsschutz
Impressum:
Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt
Verantwortlich:
Patricia Blei
Pressesprecherin
Halberstädter Straße 2 / am "Platz des 17. Juni"
39112 Magdeburg
Telefon: 0391 567-5504/-5507/-5508/-5514/-5516
Fax: 0391 567-5520
E-Mail: Pressestelle(at)mi.sachsen-anhalt.de





