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Der Rechtsextremismus stellt in Deutschland kein ideologisch einheitliches Gefüge dar, sondern tritt in verschiedenen Ausprägungen nationalistischer, rassistischer und antisemitischer Ideologieelemente und mit unterschiedlichen, sich daraus herleitenden Zielsetzungen auf. Dabei herrscht die Auffassung vor, die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse entscheide über den Wert eines Menschen. Diese Vorstellung steht in einem fundamentalen Widerspruch zum Grundgesetz, welches die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Der Rechtsextremismus ist der Phänomenbereich, der das mit Abstand größte Personenpotenzial aufweist. Die rechtsextremistische Szene lässt sich in drei Bereiche gliedern – die Parteien, den parteiungebundenen Rechtsextremismus und das weitgehend unstrukturierte Personenpotenzial, das zahlenmäßig den größten Teil ausmacht.

Etwa die Hälfte des rechtsextremistischen Personenpotenzials wird als gewaltbereit eingestuft.

Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die rechtsextremistischen Strukturen im Land.

Eine vollständige Darstellung über aktuelle Entwicklungen der rechtsextremistischen Szene in Sachsen-​Anhalt können Sie dem aktuellen Verfassungsschutzbericht entnehmen.

Verfassungsschutzbericht 2025 Hier können Sie den aktuellen Verfassungsschutzbericht herunterladen.
Rechtsextremistische Parteien

Die Partei „Die Heimat", die von ihrer Gründung im Jahr 1964 bis zu ihrer Umbenennung im Juni 2023 den Namen „Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD) getragen hat, vertritt ein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild, dessen ideologisches Kernelement die Idee einer ethnisch homogenen „Volksgemeinschaft" ist. Davon ausgehend propagiert sie unverhohlen rassistische und fremdenfeindliche Positionen. Die „Vier-Säulen-Strategie" der Partei, bestehend aus dem „Kampf um die Köpfe", dem „Kampf um die Straße", dem „Kampf um die Parlamente" und dem „Kampf um den organisierten Willen", verdeutlicht seit Jahren das Ziel von „Die Heimat", den demokratischen Verfassungsstaat systematisch und umfassend zu bekämpfen.

Wenngleich „Die Heimat" seit den 2010er Jahren einen starken Mitgliederschwund zu verzeichnen hatte, ist sie nach wie vor die mitgliederstärkste neonazistische Partei sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Deutschland. Hatte „Die Heimat" bis zum Beginn der vergangenen Dekade noch den Status einer Sammlungspartei im organisierten Rechtsextremismus, die jeweils zehn Jahre lang in den Landesparlamenten des Freistaates Sachsen und von Mecklenburg-Vorpommern vertreten war, so musste sie seitdem einen stetigen Niedergang verzeichnen. Damit hat „Die Heimat" ihren Anspruch auf Teilhabe an der staatlichen Parteienfinanzierung schon vor der grundsätzlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 23. Januar 2024 vollständig verloren. Aktuell beschränken sich die Aktivitäten des Landesverbandes Sachsen-Anhalt größtenteils auf die Präsenz in den sozialen Medien. Dort werden allerdings fast ausschließlich Artikel der Parteizeitung geteilt.

Die Jugendorganisation von „Die Heimat" sind die „Jungen Nationalisten" (JN), die sich der neonazistischen Ideologie bedienen. Sie machen gelegentlich durch Aktionen mit fremdenfeindlichen oder geschichtsrevisionistischen Inhalten auf sich aufmerksam.

„Der III. Weg" ist aktuell eine der aktivsten Organisationen des parteigebundenen Neonazismus in Sachsen-Anhalt. Die Partei verfügt in Sachsen-Anhalt über drei „Stützpunkte“ (Anhalt, Magdeburg/Altmark und Burgenlandkreis). Als „Stützpunkte" bezeichnet „Der III. Weg", in dem für diese Partei typischen militaristischen Duktus, die regionalen Gliederungen der Partei. Bundesweit gliedert sich die Partei in vier Landesverbände und 26 Stützpunkte.

Programmatisch steht die Partei in der Tradition des „nationalrevolutionären" Flügels des deutschen Nationalsozialismus, der ein völkisch-antipluralistisches Menschen- und Gesellschaftsbild mit antikapitalistischen Ideologemen verbindet. In ihrem „Zehn-Punkte-Programm", das zahlreiche Parallelen zum 25-Punkte-Programm der NSDAP von 1921 aufweist, fordert sie die Erhaltung der „biologischen Volkssubstanz" zur „Abwendung des drohenden Volkstodes" und die Realisierung eines „Deutschen Sozialismus", der u. a. durch die Verstaatlichung sämtlicher Schlüsselindustrien, Banken und Großbetriebe verwirklicht werden soll. „Der III. Weg" agitiert insgesamt antisemitisch, ausländerfeindlich und revisionistisch.

Wenngleich sich „Der III. Weg" vereinzelt um die Teilnahme an Wahlen bemüht, ist das Erringen parlamentarischer Mandate jedoch nicht das vorrangige Ziel der Partei, die stark aktionsorientiert operiert. Wichtiger als Wahlergebnisse sind für sie die bei Wahlkämpfen sich bietenden Möglichkeiten, mit provokanten Aktionen auf sich aufmerksam zu machen und so die eigene Bekanntheit zu steigern.

Für die Jugendarbeit wurde die „Nationalrevolutionäre Jugend" (NRJ) etabliert. Ihr Ziel ist es, Jugendliche zu indoktrinieren und an die Partei zu binden. Darüber hinaus fungiert sie als eine Art Kaderschmiede für neue Parteifunktionäre.

Am 7. November 2023 hat der Verfassungsschutz auf Nachfrage von Pressevertretern bestätigt, dass der Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung im Sinne von § 4 Abs. 1 des Gesetzes über den Verfassungsschutz im Land Sachsen-Anhalt (VerfSchG-LSA) eingestuft worden ist. Im Rahmen eines umfangreichen Prüfprozesses hat die Verfassungsschutzbehörde zahlreiche Informationen gesammelt und ausgewertet, die belegen, dass sich die politische Agitation der AfD Sachsen-Anhalt gegen essentielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung richtet, insbesondere gegen die Garantie der Menschenwürde aus Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) und gegen das Demokratieprinzip aus Artikel 20 Absatz 1 GG.

Ethnischer Volksbegriff und Migrationsfeindlichkeit:

Die Programmatik des AfD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt ist wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus durchdrungen. Dem Ethnopluralismus liegt ein völkisch-abstammungsmäßiger Volksbegriff zugrunde, der Menschen nach vermeintlichen Herkunftsgebieten sortieren will. Ziel des von der AfD vertretenen Ethnopluralismus und des damit verbundenen Volksbegriffs sind weitestgehend homogene Staaten. Diese Vorstellung läuft letztlich auf die Schaffung ethnisch reiner Gesellschaften und damit die Ausweisung aller „Volksfremden" hinaus.

Zahlreiche muslimfeindliche, rassistische und auch antisemitische Aussagen von Funktions- und Mandatsträgern des Landesverbandes belegen, dass die AfD Sachsen-Anhalt genau dieses ethnokulturell homogene Staatsvolk anstrebt und die Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion fordert. So bedienen sich führende Vertreter des Landesverbandes einer verunglimpfenden Wortwahl, indem sie zum Beispiel dämonisierende Begriffe wie „Messer-Migration" verwenden, Migranten als „Invasoren", „Eindringlinge" oder „kulturfremde Versorgungsmigranten" diffamieren oder deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund als „Passdeutsche" bezeichnen. Eine solche Abwertung von Menschengruppen aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Identität verstößt gegen die Garantie der Menschenwürde aus Art. 1 Abs. 1 GG.

Zur Verbreitung ihrer xenophoben Thesen nutzen Funktions- und Mandatsträger der AfD Sachsen-Anhalt intensiv die sozialen Medien. Entsprechende Beispiele sind im aktuellen Verfassungsschutzbericht zu finden.

Staats-​ und Demokratiefeindlichkeit:

Die AfD Sachsen-​Anhalt strebt die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie in ihrer derzeitigen Form an und richtet sich somit gegen das Demokratieprinzip aus Art. 20 Abs. 1 GG. Sie ist fortwährend bestrebt, das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland sowie seine Institutionen und deren Vertreter verächtlich zu machen, um das Vertrauen der Bevölkerung in diese fundamental zu erodieren.
Indem Akteure der AfD Sachsen-​Anhalt die demokratische Ordnung in ihrer Darstellung zu einer Diktatur und elementaren Bedrohung für Leib und Leben verzerren, entwerfen sie ein Bedrohungsszenario, mit dem sie die Akzeptanz für das bestehende demokratische System seitens ihrer Anhänger gezielt unterminieren. Es besteht die Gefahr, dass letztere zu der Schlussfolgerung gelangen, ein gewaltfreier Widerstand könne angesichts dieses Bedrohungsszenarios keine rationale Option mehr sein. Vereinzelt, wie etwa vom AfD-​Kreisverband Wittenberg, ist bereits unverhohlen zu einem Militärputsch gegen die deutsche Regierung aufgerufen worden.

Auflösung der „Jungen Alternative" und Gründung der „Generation Deutschland":

Die bisherige Jugendorganisation des AfD-Landesverbandes, die „Junge Alternative Sachsen-Anhalt" (JA-LSA), fasste am 8. März 2025 den Beschluss zur unmittelbaren Auflösung. Die JA-LSA stellte jedoch zugleich klar, dass es sich vor allem um eine formale Entscheidung handele. Ihre Strukturen bestanden nahezu unverändert fort, sodass mit der Selbstauflösung keine Einschränkung ihrer Aktivitäten einherging.

Am 29. November 2025 wurde in Gießen (Hessen) die „Generation Deutschland" (GD) als neue Jugendorganisation der AfD gegründet. Personell und hinsichtlich ihrer politischen Ausrichtung zeichnet sich eine eindeutige Kontinuität zur aufgelösten JA-LSA ab. Am 17. Januar 2026 wurde in Burg (Landkreis Jerichower Land) der GD-Landesverband Sachsen-Anhalt (GD-LSA) gegründet und Florian Ruß zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Ruß ist Mitglied der AfD-Stadtratsfraktion Magdeburg und war bis zu ihrer Selbstauflösung stellvertretender Vorsitzender der JA-LSA.

Parteiungebundener, vornehmlich neonazistisch geprägter Rechtsextremismus

Die neonazistische Szene in Sachsen-Anhalt ist heterogen und agiert in aktionsorientierten, regionalen Gruppierungen. Sie zeichnet sich durch eine vor allem von Rassismus und Antisemitismus geprägte Ideologie aus, die sich am Nationalsozialismus orientiert und damit im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht. Teilen der Bevölkerung wird der gleiche Wert als Mensch abgesprochen; ihnen werden grundlegende Rechte wie die Menschenwürde und die Gleichheit vor dem Gesetz aberkannt.

Ihre Verherrlichung des Nationalsozialismus bringt die Szene auch öffentlich zum Ausdruck – etwa durch Versammlungen an symbolträchtigen Gedenkanlässen. Solche Veranstaltungen dienen ihr dazu, sich öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, neue Anhänger zu werben und sich überregional zu vernetzen.

Das bis in die 2000er Jahre dominierende „Kameradschaftsmodell" wurde inzwischen von eher lose strukturierten, kleineren Aktionsgruppen abgelöst. Diese sind regional verankert, aber zunehmend überregional vernetzt – einzelne Akteure mit besonderer Vernetzungskraft können dabei auch Einfluss auf zunächst nicht extremistische Versammlungen gewinnen.

Ein neonazistischer Personenzusammenschluss mit überregionaler Ausstrahlung ist die von dem bundesweit bekannten Rechtsextremisten Alexander Deptolla angeführte Gruppierung "Harz Verteidigen" im Landkreis Harz. Deptolla und seinem Umfeld ist es gelungen, auf die seit 2022 regelmäßig montags in Halberstadt stattfindenden Versammlungen unter dem Motto „Für die Zukunft unserer Kinder“ zunehmend Einfluss zu nehmen. Seit Herbst 2024 wurde die rechtsextremistische Einflussnahme auf die Versammlung immer deutlicher sichtbar. Auch abseits des wöchentlichen Versammlungsgeschehens sind Deptolla und sein Umfeld aktiv. So organisiert „Harz Verteidigen“ regelmäßig Szeneveranstaltungen im Raum Harz wie Rechtsschulungen und Liederabende mit Szenemusikern, Wanderungen, Kampfsporttrainings oder Kranzniederlegungen anlässlich des Volkstrauertages.

Seit Sommer 2025 bekennt sich die Gruppe „Harz verteidigen“ offen zu ihrer Anbindung an die Partei „Die Heimat“. Sie führt ihre Aktionen jedoch weitgehend eigenständig durch und agiert zum großen Teil unabhängig.


Eine besondere Erscheinungsform sind sogenannte rechtsextremistische Siedlungsbestrebungen. Ihre Akteure wirken gezielt darauf hin, ländliche Rückzugsräume zu schaffen, um dort ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Sie pflegen eine naturorientierte, ökologische Lebensweise und lassen sich bevorzugt in ländlich geprägten Gebieten nieder, wo sie weniger auffallen.

Personen und Gruppen, die solche Siedlungsbestrebungen verfolgen, vertreten zumeist nationalistische, rassistische, antisemitische oder homophobe Ansichten. Ein Teil von ihnen ist der „Anastasia-Bewegung" zuzurechnen – einer esoterisch-ökologischen, neureligiösen Bewegung ursprünglich russischen Ursprungs, deren ideologische Grundlage ein völkisches und antisemitisches Weltbild bildet. Die Tarnung extremistischer Ziele hinter einer naturverbundenen, scheinbar unpolitischen Lebensweise macht dieses Phänomen besonders schwer erkennbar.

Aktuelle Entwicklungen, konkrete Gruppierungen und Zahlen in Sachsen-Anhalt finden Sie im Verfassungsschutzbericht.

Weitgehend unstrukturiertes rechtsextremistisches Personenpotenzial

Dem weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Personenpotenzial werden Personen zugerechnet, die den subkulturell geprägten Teil der rechtsextremistischen Szene bilden, der auf die Ausbildung fester Strukturen üblicherweise verzichtet. Dieser Teil der Szene bildet das mit Abstand größte Personenpotenzial des Rechtsextremismus; in Sachsen-Anhalt sind ihm circa 900 Personen zuzurechnen. Diese treten meist in kleinen, regional agierenden Personenzusammenschlüssen oder in rein virtuellen Gruppen auf. Die Szene definiert sich vor allem über szenetypische Musik und den damit verbundenen Lebensstil. Ihr Auftreten passt sich dabei aktuellen Trends und auch der Altersstruktur des Personenpotenzials an. So hat sich in den letzten Jahren vor allem auch der Kampfsport als zunehmendes Aktionsfeld herausgestellt.

Die der subkulturell geprägten rechtsextremistischen Szene zuzuordnenden Personen verfügen in aller Regel nicht über ein in sich geschlossenes Weltbild, sondern werden von einzelnen rechtsextremistischen Einstellungen und Argumentationsmustern beeinflusst und geprägt. Als Kernfelder dienen hier vor allem Rassismus und Antisemitismus, untersetzt mit einer Gewaltaffinität, die sich wiederum insbesondere gegen Minderheiten und aus ihrer Sicht Andersdenkende richtet. Gewalt und Gewaltbereitschaft waren schon immer ein wesentliches Kennzeichen dieser Szene. Im Zuge der zu beobachtenden Verjüngung der Szene ist zudem eine Zunahme der aktionsorientierten Motivation zu verzeichnen, da gerade bei jüngeren Szeneangehörigen Aktivitäten mit „Erlebnischarakter“ im Vordergrund stehen, die auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Aktuell beobachtet der Verfassungsschutz eine Verjüngung der weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Szene und eine Zunahme der aktionsorientierten Motivation der in diesem Spektrum agierenden Gruppen und Personen. Seit dem Jahr 2024 sind sowohl in Sachsen-Anhalt als auch bundesweit Gruppierungen mit zum Teil sehr jungen, aktionsorientierten und internetaffinen Personen in Erscheinung getreten, die sich insbesondere über die sozialen Medien vernetzten und so einen niedrigschwelligen Einstieg in die rechtsextremistische Szene fanden.

„Jung & Stark" (JS), „Deutsche Jugend Voran" (DJV) und „Deutsche Jugend Zuerst" (DJZ)

Einigen dieser Gruppierungen gelang es innerhalb kürzester Zeit, eine beachtliche Zahl von Mitgliedern zu erreichen und diese zur Teilnahme an Veranstaltungen sowie bisweilen zu Gewalttaten zu bewegen. Sie firmieren beispielsweise unter den Namen „Jung & Stark" (JS), „Deutsche Jugend voran" (DJV) oder „Deutsche Jugend Zuerst Halle (Saale)" (DJZ). Gruppen wie JS, DJV und DJZ setzen sich vor allem aus jungen, häufig minderjährigen Menschen zusammen, die zuvor oftmals noch nicht in der rechtsextremistischen Szene in Erscheinung getreten waren. Für ihre Agitation und Mobilisierung bedienen sich diese Personenzusammenschlüsse vornehmlich klassischer rechtsextremistischer Feindbilder wie die LGBTQ+-Bewegung.

In Sachsen-Anhalt ist diese Art von rechtsextremistischen Jugendgruppen bislang überwiegend mit Aktionen gegen Veranstaltungen im Rahmen des Christopher Street Day öffentlich in Erscheinung getreten. Der Verfassungsschutz beziffert das Personenpotenzial in Sachsen-Anhalt aktuell auf knapp 300 Personen.

Pädophile sind seit langem ein Feindbild von Rechtsextremisten; dieses Feindbild lässt sich nahezu in allen rechtsextremistischen Strömungen finden. Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Konsenses zum Thema Kindeswohl und der sozialen Ächtung von pädophil veranlagten Menschen versuchen Rechtsextremisten, mit der Vereinnahmung des Agitationsfeldes Pädophilie in die Mitte der Gesellschaft hineinzuwirken. Bereits in der Vergangenheit wurde das Thema von der rechtsextremistischen Szene aufgegriffen. Aktuell wird es nun von einer sich verjüngenden und aktionsorientierten rechtsextremistischen Szene aufgegriffen.

Der Verfassungsschutz beobachtete vermehrt Aktivitäten von in kleinen Gruppen agierenden Jugendlichen, die mit Outing-Aktionen, Beleidigungen und Bedrohungen im virtuellen Raum gegen vermeintliche Pädophile vorgehen und dabei zum Teil auch Straftaten begehen.

Die Verfassungsschutzbehörde hat in den zurückliegenden Jahren ein gesteigertes Interesse am Kampfsport innerhalb der rechtsextremistischen Szene beobachten können. Gemeinsame Kampfsporttrainings und die kollektive Unterstützung von Kampfsportlern aus der rechtsextremistischen Szene bei nicht extremistischen Wettbewerben können als Ausdruck einer erlebnisorientierten Szenekultur betrachtet werden, die gerade auf Jugendliche und Heranwachsende anziehend wirkt. Die Entwicklung folgt dabei zum einen der Faszination der Szene für Kampf und Männlichkeit, aber auch der in Teilen der jüngeren rechtsextremistischen Szene populärer werdenden Hingabe zu einer gesunden Lebensweise und sportlichen Ertüchtigung, die mit der völkischen Idealvorstellung von einem „gesunden Volkskörper" begründet wird.

Der Verfassungsschutzbehörde bekannte Rechtsextremisten führen wiederkehrend Kampfsporttrainings in kleineren Gruppen durch, die in der Regel konspirativ geplant und für die Öffentlichkeit nicht feststellbar sind. Gerade in solchen Trainings steht indes nicht der sportliche Charakter im Vordergrund, sondern eher die Vorbereitung auf einen möglichen Straßenkampf. Rechtsextremistisch geprägte oder von Rechtsextremisten gezielt unterwanderte Kampfsportschulen sind der Verfassungsschutzbehörde bislang nicht bekannt geworden.

„Active Clubs"

Ein relativ neues Phänomen der rechtsextremistischen Kampfsportszene in Deutschland ist die Herausbildung von sogenannten „Active Clubs" (AC). Diese allgemeine Bezeichnung steht für eine Art von eigentlich unpolitischen und unabhängigen lokalen Fitness- und Freizeitvereinen, die sich in der Regel auf sportliche Aktivitäten und Gemeinschaftserlebnisse konzentrieren. In Europa wurden seit etwa 2023 und in Deutschland seit Anfang 2024 vermehrt erste Versuche einer Etablierung des Phänomens rechtsextremistischer ACs festgestellt.

Rechtsextremistische Gruppen missbrauchen das AC-Konzept, um mit sportlichen Aktivitäten (z. B. organisierte Kampfsporttrainings, Wanderungen und gemeinschaftliche Veranstaltungen) neue Mitglieder zu rekrutieren und ihre verfassungsfeindliche Ideologie zu verbreiten. Hierfür werden Einzelpersonen im Rahmen eines offenen Netzwerkansatzes dazu ermutigt, eigene lokale Gruppen zu gründen und selbständig zu betreiben.

Rechtsextremistische Musikszene

Rechtsextremistische Musik hat aufgrund ihrer identitätsstiftenden Funktion nach wie vor eine zentrale Bedeutung für die Szene. Rechtsextremisten nutzen die Musik als ein Lockmittel, um Jugendliche oder junge Erwachsene an ihre Ideologie heranzuführen. Die Protagonisten vermitteln offen oder unterschwellig durch die Liedinhalte und ihre Selbstdarstellung rechtsextremistische Feindbilder und nationalistische, fremdenfeindliche, antisemitische und antidemokratische Ideen. In der Szene einschlägig bekannte Musikgruppen aus Sachsen-Anhalt sind z. B. die Bands „Stahlkappenglanz" (Salzlandkreis/Landkreis Mansfeld-Südharz) und „Kraftschlag" (Weißenfels, Burgenlandkreis).

Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen-Anhalt besonders bei der Anzahl von rechtsextremistischen Liederabenden und sonstigen Musikveranstaltungen mit Darbietung von Live-Musik stets im oberen Drittel zu verorten. Die Zahl der Musikveranstaltungen ist in Sachsen-Anhalt seit Jahren konstant hoch.

Rechtsextremisten und die Rockerszene

Teile der rechtsextremistischen Szene unterhalten Verbindungen zum Rockermilieu, die auch in Sachsen-Anhalt sichtbar sind. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Rockergruppierung „MC Division 39 Magdeburg" zu nennen. Die Rockergruppierung wies bereits bei ihrer Gründung eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an bekannten Rechtsextremisten der örtlichen Szene auf und trat in den Folgejahren vereinzelt wiederkehrend in Erscheinung. Dass die Gruppierung eindeutig rechtsextremistisch geprägt ist, zeigte sich besonders deutlich bei ihrer Beteiligung an der für den 21. September 2020 in Magdeburg geplanten Ausrichtung der rechtsextremistischen Kampfsportveranstaltung „Kampf der Nibelungen", für die die „MC Division 39 Magdeburg" ihr Klubhaus bereitstellte.

Neben den Verbindungen von Rechtsextremisten in die Rockerszene stellt die Verfassungsschutzbehörde seit geraumer Zeit auch rechtsextremistische Gruppierungen fest, welche die Strukturen und Erscheinungsformen von Rockern adaptieren. Als Beispiel ist hier die rechtsextremistische Gruppierung „Brigade 8 – Mittel/Elbe" zu nennen, deren Mitglieder bei rechtsextremistischen Veranstaltungen mit entsprechenden „Kutten" in Erscheinung treten und dadurch leicht zu identifizieren sind. Der Gruppierung werden bekannte Rechtsextremisten zugerechnet, die – den Strukturen der Rockerszene folgend – als so genannte Mitglieder, Anwärter oder Unterstützer geführt werden.

weitere Publikationen zum Thema Plakat zu den Kennzeichen des Rechtsextremismus Broschüre zu den Kennzeichen des Rechtsextremismus Broschüre über rechtsextremistisch genutzte Immobilien
Hinweis:

Die im Mai 2026 erschienene Broschüre „Kennzeichen des Rechtsextremismus” ist bereits vergriffen. Sie steht daher hier ausschließlich als Download zur Verfügung.

Extremismusprävention und Ausstiegsprogramm EXTRA

Mit dem Ausstiegshilfeprogramm EXTRA (Extremismus-Ausstieg) unterstützt die Verfassungsschutzbehörde ausstiegswillige Menschen dabei, sich aus rechtsextremistischen Zusammenhängen zu lösen. Mehr über EXTRA und die Extremismusprävention erfahren Sie auf der Seite Extremismusprävention und Ausstiegsprogramm EXTRA.